Evangelischer Kirchenverband Köln und Region

Starke Frauen der Reformation gewürdigt

Szenische Lesung: „Hier stehen wir und wollen es anders!“

10.03.2017

Starke Frauen, die reformatorische Aufbrüche in den vergangenen 500 Jahren wagten und wagen, standen im Mittelpunkt der szenischen Lesung „Hier stehen wir und wollen es anders!“ in der Trinitatiskirche.

Die Darstellerinnen der Reformatorinnen: v.l.: Marlis Bredehorst, Katharina Schneider, Dorothee Schaper, Almuth Voß, Eli Wolf und Gundula Schmidt
Das Programm für den kulturellen Abend der Melanchthon-Akademie (MAK) zum Internationalen Weltfrauentag entwickelten Studienleiterin Dorothee Schaper, Theaterpädagogin Gundula Schmidt, Schulpfarrerin Almuth Voß und Pfarrerin Eli Wolf. Zusammen mit den Musikerinnen und Darstellerinnen, der Juristin Marlis Bredehorst, und der Theaterpädagogin Katharina Schneider, präsentierten die Theologinnen „Hier stehen wir und wollen es anders!“ in dem gut besuchten Veranstaltungsort des Evangelischen Kirchenverbandes Köln und Region.

Viele mutige Frauen
So lange wie das Flötenstück zum Auftakt andauerte, so lange dauerte auch das Verlesen der Namen von Frauen, die von der Reformation bis heute mutig für ihren Glauben und ihre Überzeugungen eintraten. Als Darstellerin Eli Wolf zu Beginn mit dem Strickzeug auf die Kanzel stieg, konnte dies als Symbol für das gleiche Recht von Frauen in der Verkündigung des Gotteswortes gedeutet werden. Gundula Schmidt tippte während des Prologs auf einer alten mechanischen Schreibmaschine und trat anschließend mit einem Stapel Papier vor das Publikum.

Fragen an die Reformation
Gundula Schmidt stellte 500 Fragen an die Reformation: „Kann ein Mann alleine eine Reformation machen? Wem glaube ich, wer lügt? Sola fide, solus Christus – allein durch den Glauben, allein Christus: Warum ist da nicht jemand vorher darauf gekommen? Wie lange hat es nach der Reformation noch gedauert, bis Frauen ein volles Pfarramt führen konnten?“ lauteten einigen der Fragen. Schmidt trug auch humorvolle Fragen vor: Welche Rolle spielte der Karneval bei der Reformation? Wie teuer war sie? Und wie viele Arbeitsplätze hat sie gekostet?

Reformatorinnen beim Tischgespräch
Im Altarraum der Trinitatiskirche war ein Tisch aufgebaut, an dem sich die Darstellerinnen nach dem Prolog wie zu einem Abendmahl versammelten. Aus der Perspektive der Luther-Zeitgenossinnen Argula von Grumbach, Katharina Zell, Olympia Fulvia Morata, Wibrandis Rosenblatt, Marie Dentière und Elisabeth Cruciger erzählten sie, wie sich diese hochgebildeten Frauen damals der reformatorischen Bewegung anschlossen und ihren Beitrag dazu leisteten.

Elisabeth Cruciger: Erste geistliche Liederdichterin
Wer die Nummer 67 im Evangelischen Gesangbuch aufschlägt, findet dort das Lied „Herr Christ, der einig Gotts Sohn“. Es stammt aus der Feder von Elisabeth Cruciger, einer Freundin Martin Luthers. Die erste evangelische Kirchenliederdichterin gehört zu wenigen Frauen der Reformationsbewegung, deren Name heute noch einem größeren Kreis bekannt ist.

Katharina Schütz-Zell: Das Schweigen der Frauen gebrochen
MAK-Studienleiterin Dorothee Schaper schlüpfte in die Rolle der Katharina Schütz-Zell. Die Intellektuelle aus Straßburg schrieb „raue Briefe“ an die theologischen Gelehrten ihrer Zeit, so auch an Luther. Dass Frauen in der Gemeinde schweigen sollten, nahm sie nicht hin. „Paulus sagt, die Weiber sollen schweigen. Antworte ich: Weißt aber nicht auch, dass er sagt in Galater 3: In Christus ist weder Mann noch Weib; und dass Gott im Propheten Joel sagt im 2. Kapitel: Ich werde ausgießen von meinem Geist über alles Fleisch und eure Söhne und Töchter werden weissagen“, entgegnete Schaper in der Rolle von Schütz-Zell.

Wibrandis Rosenblatt: Widerstand gegen Unterdrückung
„Sollen sie doch kommen, die Papisten, und meine Habe beschlagnahmen, ich fürchte nichts“ – so trotzte Wibrandis Rosenblatt der religiösen Unterdrückung. Sie war nacheinander mit den drei Reformatoren Johannes Oekolampad, Wolfgang Capito und Martin Bucer verheiratet. Fest in der reformatorischen Bewegung verankert, führte die Mutter zahlreicher Kinder ein offenes Pfarrhaus, in dem Hilfesuchende Zuflucht fanden.

Argula von Grumbach: Mahnung an Obrigkeiten
Luther nannte Argula von Grumbach „ein einzigartiges Werkzeug Gottes“. Die Adlige ermahnte in ihren Schriften zu Zeit der Reformation Obrigkeiten, sich an das Wort Gottes zu halten. Sie hielt auch an ihrer Überzeugung fest, als ihre Familie wegen des Eintretens für die Reformation in Not geriet. Im Alter von 70 Jahren wurde sie inhaftiert, weil sie Katholiken aus reformatorischen Schriften vorgelesen hatte.

Marie Dentière: Forderte das Priestertum für Frauen
Marie Dentière wagte es, in Genf dem einflussreichen Reformator Johannes Calvin entgegenzutreten. Bevor sie eine Anhängerin Luthers wurde, war sie Priorin eines Augustinerinnenklosters. Sie verfasste eine „Verteidigungsschrift für die Frauen“ und forderte das Priestertum für Frauen.

Reformatorinnen in anderen Religionen bis heute
Die Darstellerinnen würdigten auch Frauen anderer Religionen und Epochen. So schrieb Regina Jonas, die nachweislich weltweite erste Rabbinerin, 1939 in einer Frauenzeitschrift: „Ich kam zu meinem Beruf aus dem religiösen Gefühl, dass Gott keinen Menschen unterdrückt, dass also der Mann nicht die Frau beherrscht.“
Weltweit bekannt wurde auch die Muslima Amina Wadud 2005, als sie in New York das Freitagsgebet einer geschlechtergemischten Gemeinschaft leitete. Die Islamwissenschaftlerin setzt sich für die Koranauslegung durch Frauen ein, um eine geschlechtergerechte Lesart zu entwickeln.



Text: Ulrike Weinert
Foto(s): Ulrike Weinert