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Zeltkirche – das lebendige Denkmal wird 50

Das Gotteshaus in Bergisch Gladbach-Refrath besticht durch ungewöhnliche Architektur

13.04.2017

Das Glücksrad schnurrte an diesem glücklichen Samstag, an dem in und um die Zeltkirche ein fröhliches Fest mit Waffeln, Spielen und viel Musik gefeiert wurde: Das evangelische Gotteshaus in Refrath-Kippekausen feiert dieses Jahr 50. Geburtstag! Ein besonderer Bau, der aufgrund seiner außergewöhnlichen Architektur bereits denkmalgeschützt ist und überdies seinem Namen, Zeltkirche, alle Ehre macht: „Mich fasziniert der Baustil!“, schwärmte Festbesucher Hugo Tillmann aus Köln, der zum ersten Mal die Kirche sah. „Es sieht wirklich aus wie ein Zelt mit den Außenstartpunkten der äußeren Haut. Man würde nicht unbedingt auf eine Kirche kommen.“

Begeisternd für Groß und Klein, das Erzählkonzert „Die kostbare Perle“ mit Uwe Lal

Eine Kirche wie ein Tipi-Zelt
In der Tat wirkt das Gebäude wie ein Zelt im Tipi-Stil, das hier gerade mal aufgeschlagen wurde – zwischen Wald und Wohnbebauung am Rande eines kleinen Weihers. Diesen Eindruck hatte Architekt Georg Rasch aus Köln seinerzeit noch dadurch verstärkt, dass der Natursteinboden aus Devonschiefer durchgängig in der Kirche und auf dem sie umgebenden Platz verlegt wurde. 2013 musste der Schiefer jedoch im Außenbereich aufgrund erheblicher Erosionsschäden durch dezent farbige Klinkersteine ersetzt werden. Eine dem Geldbeutel geschuldete Form der Sanierung, die dennoch etliche Gemeindemitglieder immer noch den alten Naturstein-Zeiten nachtrauern lässt.

Hingucker aus Holz, Glas, Kupfer
Unverändert streckt sich jedoch seit der Einweihung am 19. März 1967 die Kirche als eigenwillige Holz-Konstruktion in den Himmel. Das hoch aufragende Zeltdach liegt auf dem Boden nur an vier Punkten auf. Es ist mit Kupfer gedeckt und die Dachflächen bieten sich ein optisch interessantes Wechselspiel mit den großen Fensterglasflächen. Ein Hingucker, der seit 2014 denkmalgeschützt ist.

Persönliche Bindungen an die Kirche
Auch der Innenraum mit dem Natursteinboden ist außergewöhnlich gestaltet: als Oktogon, der Altar platziert inmitten rundum angeordneter Bänke. „Ich finde immer sehr schön, dass man in einem großen Kreis sitzt wie im Zirkus und trotzdem die Möglichkeit hat, durch die hohen Fenster nach draußen in den Wald zu gucken“, sagt Nina Talmon. „Ich kenne keine schönere Kirche!“ Die Refratherin ist mit ihren beiden Kindern zum Fest gekommen und der Zeltkirche seit langem verbunden: „Ich habe in der Kirche geheiratet, meine Eltern haben dort geheiratet und meine Großeltern auch.“ Dabei sei die „grüne“ kirchliche Trauung ihrer Großeltern etwas Besonderes gewesen, da sie erst anlässlich der Goldhochzeit stattgefunden habe. Denn das evangelisch-katholische Paar hatte zuvor im Krieg nur standesamtlich heiraten können.

Gemeindezentrum gehört zum Areal
Die Kirchengemeinde Bensberg, zu der die Refrather Gemeinde gehört, hatte für den Kirchbau bereits 1959 das 4000 Quadratmeter große Grundstück gegenüber der 1000-jährigen Kippekausener Burgruine erworben. Von Anfang an wurde dort außer der Kirche auch ein Gemeindezentrum mit Saal, Küche, Pfarrer- und Küsterwohnung geplant. Wie zwei Riegel schirmen diese Bauteile die Kirche zu Straße und Wohnbebauung ab, sodass sich rund um die Zeltkirche ein Innenhof-Charakter ergibt.

Erzählkonzert zum Jubiläum riss alle mit
Dort hätte sich prächtig feiern lassen, doch beim Festwochenende war der Himmel grau verhangen und es regnete ab und zu. So flüchteten die meisten kleinen Besucher ins Zelt zu Popcorn und Schokokuss-Schleuder oder ins Gemeindehaus zum Kinderschminken und Krönchen-Basteln, während die Erwachsenen in der Cafeteria zur Live-Musik in selbstgebackenen Kuchen schwelgten. Highlight des Samstags war das Erzählkonzert „Die kostbare Perle“ mit Uwe Lal, der mit Gitarre und ansteckender Lebensfreude kleine und große Zuhörer mitriss. Gemeinsam wurde unterm Zeltkirchendach gesungen, geklatscht, gestampft und gelacht.

Empfang mit rund 200 Gästen
Manche Besucher kamen gleich anderntags wieder, um mit Zeltkirchen-Pfarrerehepaar Birgit und Robert Dwornicki, Superintendentin Andrea Vogel und rund 200 anderen Menschen den 50. Geburtstag mit Gottesdienst und Empfang festlich zu begehen. Übers Jahr gibt’s viele weitere Veranstaltungen. Und wer weiß, vielleicht heiraten Nina Talmons Kinder auch mal in der Zeltkirche? Die Tochter mag schon jetzt die Musik dort und Sohn Liam liebt, „dass die Kirche so spitz ist und dass die Bänke ein bisschen wie im Kreis stehen und rote Polster haben.“

Infos zur Zeltkirche in Refrath-Kippekausen: www.kirche-bensberg.de/kippekausen.html



Text: Ute Glaser
Foto(s): Ute Glaser

© Evangelischer Kirchenverband Köln und Region