Evangelischer Kirchenverband Köln und Region

Anja Fresia heißt die neue Pfarrerin

Sie teilt sich die Stelle mit ihrem Mann Thomas in der Brückenschlag-Gemeinde

21.02.2017

„Es ist schon ein Luxus, in einer Gemeinde die Dinge tun zu können, die man gerne tun möchte. Man kann sich sozusagen die Rosinen herauspicken“, beschreibt Anja Fresia ihr erstes Jahr in der Evangelischen Brückenschlag-Gemeinde in Köln-Flittard/Stammheim.

Mit halber Stelle im Pfarrddienst: Anja Fresia in der Brückenschlag-Gemeinde in Köln-Flittard/Stammheim
Hier unterstützte sie ehrenamtlich ihren Mann Thomas Fresia, der dort nach einer 18-monatigen Vakanz im September 2015 die Pfarrstelle antrat. Seit November 2016 teilt sich das Ehepaar die Stelle. Am 29. Januar wurde Anja Fresia in einem feierlichen Gottesdienst von Superintendentin Andrea Vogel in ihr neues Amt eingeführt.

Viel Zeit, die Gemeinde kennenzulernen
Dass sie ihre Arbeit auch als Hauptamtliche gern macht, ist deutlich spürbar. Sie freut sich darauf, die alltäglichen Aufgaben einer Pfarrerin wahrzunehmen, nachdem sie so viel Zeit hatte, die Gemeinde kennenzulernen. „Besonders im Gottesdienst“, sagt sie. „Diese Erfahrung der großen Gottesdienstgemeinschaft, wo ich wie die anderen einfach als Gemeindeglied dabei war, war sehr schön. Die regen Gottesdienstbesuche in der Gemeinde sind besonders, das habe ich bisher so kaum kennengelernt.“

Abwechslungsreiche Gemeindearbeit
Fresia, die in Braunschweig aufwuchs, und in Bethel, Münster und Bochum Theologie studierte, absolvierte 2016 ihr letztes Kolloquium. Deshalb hatte ihr Mann zunächst für ein Jahr die Stelle alleine inne. Auf ihr Vikariat, das sie im Kirchenkreis Aachen verbrachte, folgte ein Sondervikariat im Aachener Gefängnis. „Das war eine spezielle Zielgruppe in einem Männergefängnis. Ich konnte hier Kirche in einem anderen Kontext wahrnehmen“, erinnert sich die Pfarrerin. Auch wenn sie dort viel gelernt habe, wollte sie persönlich lieber in einer Gemeinde arbeiten. Diese Arbeit erlebe sie als abwechslungsreicher.

Eine Gemeinde, die sich ihre Kirche gebaut hat
Ihren Probedienst absolvierte sie im Kirchenkreis Jülich, wo auch ihr Mann als Pfarrer in einer Gemeinde arbeitete. „Eigentlich wollten wir im Aachener Raum gar nicht so lange bleiben, aber dann sind es 15 Jahre geworden“, erzählt die 43-jährige Mutter von zwei Töchtern. Der Wunsch, als Ehepaar in ein und derselben Gemeinde arbeiten zu können, führte die beiden 2011 für vier Jahre nach Wien, wo sie zusammen in einer Innenstadtgemeinde arbeiteten. Besonders mag Fresia das 2015 fertiggestellte neue Kirchengebäude der jetzigen Gemeinde: „Die Immanuelkirche hat einen wunderbaren Gottesdienstraum mit angrenzenden Räumlichkeiten, die Platz für vielfältige Gemeindearbeit, für Groß und Klein, bieten. Wir fanden hier eine Kirche vor, die die Gemeinde sich gebaut hat, das merkt man ihr an“, so Fresia. Und so vielfältig sei auch das Gemeindeleben.

Pfarrerehepaar – ein Hindernis?
Die Sehnsucht nach dem Kölner Dom und der rheinischen Mentalität – Thomas Fresia ist gebürtiger Kölner – habe das Pfarrerehepaar schließlich nach Köln geführt. Es passte gut, dass zeitgleich mit dem Schulwechsel der älteren Tochter, Thomas Fresia in der Brückenschlag-Gemeinde seine Arbeit beginnen konnte. Jetzt arbeiten beide an einer guten und sinnvollen Aufgabenverteilung. Vieles – wie etwa den (Vor-) Konfirmandenunterricht – wollen sie im jährlichen Wechsel machen. „Wir sind beide so unterschiedlich, dass wir uns gut ergänzen“, beschreibt die neue Pfarrerin. „Konkurrenz gibt es bei uns nicht, wir wissen um die Qualitäten des anderen. Unsere Art zu predigen zum Beispiel ist so unterschiedlich, da ist es doch ein Gewinn für die Gemeinde, dass es zwei Fresias gibt“, lacht sie.

Erste Pfarrerin in der Gemeinde
Fresia ist die erste Pfarrerin in der Geschichte der Brückenschlag-Gemeinde. „Ich glaube, die Leute hier freuen sich, dass es jetzt auch eine Pfarrerin gibt. Als Frau bringe ich vielleicht eine neue weibliche Note ein“, vermutet sie. Es gebe Gemeindeveranstaltungen, die vor allem von Frauen wahrgenommen werden, zum Beispiel die Fastenaktion „Sieben Wochen ohne“. Für sie und die Gemeinde sei es selbstverständlich gewesen, diese Aktion zu begleiten. Außerdem liebt Anja Fresia die Kirchenmusik. „So eine gesungene Johannespassion oder Matthäuspassion kann manchmal mehr ausdrücken als jeder Gottesdienst“, sagt die begeisterte Chorsängerin. Zudem sei der Kirchraum wunderbar für Konzerte geeignet.



Text: Susanne Hermanns
Foto(s): privat