Evangelischer Kirchenverband Köln und Region

Partnerschaftsvereinbarung: evangelische Gemeinde Köln-Neue Stadt und katholische Pfarrgemeinde St. Johannes



29.04.2005

„Wir bekennen unsere Einheit in Jesus Christus und entsprechen dem Auftrag unseres Herrn, dass wir alle ein sein sollen (Johannes 17,21). Wir wissen uns darin mit der weltweiten ökumenischen Bewegung verbunden.“ So beginnt die Vereinbarung der Partnerschaft zwischen der Evangelischen Kirchengemeinde Köln-Neue Stadt für Köln-Chorweiler und -Seeberg und der Katholischen Pfarrgemeinde St. Johannes in der Neuen Stadt.

Zwölf Monate Vorarbeit
Die vom Presbyterium, vom Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand sowie paritätisch besetzten Ökumeneausschuss geleisteten Vorarbeiten, die Klärung von Fragen, die Ausformulierung und zuletzt die von beiden Gemeindeversammlungen beschlossene Fixierung haben etwa zwölf Monate gedauert. Jetzt berichteten PresbyterInnen im katholischen und Pfarrgemeinderäte im evangelischen Gottesdienst über die Arbeit an der Vereinbarung. Zudem referierte der vormals in Heimersdorf amtierende katholische Pfarrer Johannes Hausdorfer in St. Johannes über die „Zukunft der Ökumene“. Am Sonntag, 1. Mai, steht die Unterzeichnung der Vereinbarung an, um 12 Uhr, zwischen den Beiden Kirchen, mitten auf dem Pariser Platz in Chroweiler.

Unterzeichnung: 1. Mai 2005
Darin ist festgeschrieben, was bereits seit etwa 30 Jahren „mal mehr, mal weniger“ praktiziert wird. „Unsere Gemeinden sind ohnehin ökumenisch entstanden“, erläutert die für den Bezirk Seeberg zuständige Pfarrerin Elisabeth Peltner. Sie ist eine der drei evangelischen VertreterInnen im Ökumeneausschuss der beiden Partner. Ein markantes äußerliches Zeichen für diese früh eingeschlagene Richtung ist der unmittelbar benachbarte Standort von Gemeinde- und Pfarrzentrum. Evangelische Stadtkirche und Sankt Johannes in der Neuen Stadt stehen nebeneinander am Pariser Platz in Chorweiler. Diese räumliche Nähe, so Peltner, sei schon bei der Planung des 1961 errichteten Stadtteils Neue Stadt berücksichtigt worden. Eine räumliche Nähe, die die Gemeindeglieder über die Jahrzehnte mit Leben gefüllt hätten.

Der Vertrag schreibt den bisherigen gemeinsamen Weg fest
„Was uns verbindet, ist uns inzwischen fast schon zur Alltäglichkeit geworden“, heißt es folgerichtig im Text der Vereinbarung. Sie wird geschlossen vor dem Hintergrund des „bisherigen gemeinsamen Weges“. Laut Peltner stehen die Partner schon heute ziemlich eng zueinander. „Wir sind verzahnt durch die räumliche Nähe. Wir sprechen Themen ab, koordinieren ziemlich viel, auch um unnötige Doppelstrukturen zu vermeiden.“ Dabei fungiere jede der beiden Kirchengemeinden als Gastgeberin der anderen.

Gemeindepartnerschaft wird alle 3 Jahre neu überdacht
Peltner erklärt, weshalb die Gemeindepartnerschaft zum jetzigen Zeitpunkt besiegelt wird: „Wir haben, als der langjährige katholische Kollege Chorweiler verließ, uns darauf verständigt, für uns und zukünftige Generationen einmal das nieder zu schreiben, was wir machen. Auch um zu verdeutlichen, wie weit wir schon sind.“ Gleichwohl bilde die Vereinbarung kein unumstößliches „Regelwerk“. Denn „alle drei Jahre“, so der Wortlaut, „werden Presbyterium und Pfarrgemeinderat zu einer ökumenischen Gemeindeversammlung einladen. Dort werden wir den Weg der Gemeindepartnerschaft überdenken und beraten, wie sich unsere Partnerschaft weiterentwickeln soll.“ Auf den Gemeindeversammlungen, so Peltner, „wollen wir schauen, was wir in Zukunft gemeinsam, auch zum Wohl des Stadtteils, noch besser hinkriegen können, was besser vernetzt werden kann. All das ergibt sich aus den Bedürfnissen der Menschen.“

Die drei Ebenen der Vereinbarung
Die bisherige wie die zukünftige Zusammenarbeit der beiden Gemeinden in Chorweiler und Seeberg verteilt sich auf drei Ebenen:
1. Die Begegnung auf der geistlichen Ebene umfasst unter anderem ökumenische Gottesdienste an Festtagen (gemäß Maßgabe der jeweiligen Kirchenleitung), gegenseitige Gottesdienstbesuche, Schul- und Schulabschlussgottesdienste, ökumenische Mittagsgebete und Bußandachten. Neu hinzu kommen sollen ökumenische Gottesdienste im Marie-Juchacz-Zentrum, dem Seniorenheim der AWO in Chorweiler.
2. Auf der „Ebene des Gesprächs“ sind gemeinsame Sitzungen von Presbyterium und Pfarrgemeinderat sowie regelmäßige Treffen der Pastoralkräfte vorgesehen. Ebenso gemeinschaftliche Vortrags-, Studien- und Bildungsangebote sowie das monatliche ökumenische Gespräch, das als „Forum zur Information und offenen Aussprache für alle Christinnen und Christen unserer Gemeinden“ dient.
3. Für die Ebene des verbindenden Handelns sind etwa gegenseitige Einladungen zum Seniorentreff, zu Kinder- und Jugendfreizeiten vereinbart. Festgelegt sind die Verbindung von Gemeindegruppen sowie ökumenische Neujahrsempfänge, Erntedank- und Sommerfeste. Neu hinzukommen soll auf der Handlungsebene ein gemeinsamer Besuchs- und Krankenhausbesuchsdienst.

"In Übereinstimmung mit den ökumenischen Bemühungen unserer Kirchen"
Die mit dem Wissen des Kölner Erzbischofs und der Leitung der EKiR sowie „in Übereinstimmung mit den ökumenischen Bemühungen unserer Kirchen“ getroffene Vereinbarung enthält fünf Verpflichtungen: „Förderung des ökumenischen Geistes in unseren Gemeinden; Wahrung und Mehrung des Gemeinsamen; Bewahrung der Vielfalt in den gewachsenen Traditionen und Ausdrucksformen; gemeinsame Bewältigung der Herausforderungen am Ort und in den Gemeinden; Eintreten für eine gemeinsame christliche Zukunft.“

Fair und vorurteilsfrei miteinander umgehen
Zudem weist sie neun Thesen zum Nachdenken über das Warum der Gemeindepartnerschaft auf. In der abschließenden These heißt es: „Wenn wir gelernt haben, fair und vorurteilsfrei miteinander umzugehen, und wenn wir vertrauensvoll zueinander stehen, werden wir auch fähig sein, den Dialog mit Menschen anderer Religionen in Chorweiler und Seeberg aufzunehmen.“ Nur gemeinsam könne man etwas erreichen, kommentiert Peltner. Deshalb sei daran gedacht, in nicht allzu ferner Zukunft die Indonesische Gemeinde, die regelmäßig Gottesdienste in der Evangelischen Stadtkirche feiere, ebenso einzubinden wie die syrisch-orthodoxe Gemeinde. Sie genieße bereits in beiden Chorweiler Kirchen Gastrecht und gestalte mit den Protestanten ökumenische Gottesdienste und Sommerfeste.

Tipp
Den kompletten Text der Vereinbarung kann man auf den Internetseiten der Katholischen Pfarrgemeinde St. Johannes in der Neuen Stadt hier nachlesen.



Text: Engelbert Broich
Foto(s): Engelbert Broich