Die neue Partnerstadt von Bergisch Gladbach heißt Beit Jala



Dieser Artikel wurde am 14.07.2010 veröffentlicht.
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14.07.2010

Der Rat der Stadt Bergisch Gladbach hat einstimmig die neue Städtepartnerschaft zwischen Bergisch Gladbach und Beit Jala in Palästina beschlossen. Damit ist der offizielle Rahmen für einen seit Jahren lebendigen Austausch von Bürgerinnen und Bürgern beider Städte geschaffen. Für die Begründung und Förderung der freundschaftlichen Beziehungen setzt sich bereits seit acht Jahren der Arbeitskreis „Bürger für Beit Jala - Brücken statt Mauern für Palästina und Israel" ein.

Die Initiatoren der Städtepartnerschaft, Axel Becker (l.) und Ekkehard Schmitt (r.), mit Bürgermeister Lutz Urbach

Evangelische Netzwerke spielten eine wichtige Rolle beim Enstehen der Städtepartnerschaft
Beit Jala ist die neunte Kommune, mit der Bergisch Gladbach seit 1956 eine Partnerschaft oder Städtefreundschaft eingeht, und die erste außerhalb Europas. Schon 2002 hatte Axel Becker, ehemaliger Pfarrer in Bergisch Gladbach und Leiter des Sozialwerks des Evangelischen Kirchenverbands Köln und Region, Kontakte zwischen der Evangelischen Gemeinde Bergisch Gladbach und der Evangelisch-lutherischen Gemeinde in Beit Jala initiiert. Es folgten Besuche von Bergisch Gladbacher Reisegruppen in Beit Jala, einer Jugendgruppe und eines Schulchores aus Palästina in Bergisch Gladbach sowie des evangelischen Synodalvorsitzenden von Jordanien und Palästina bei der hiesigen evangelischen Gemeinde. Bereits damals entstand die Idee, am Beispiel der Städte Köln und Bethlehem eine Städtepartnerschaft zwischen Bergisch Gladbach und Beit Jala zu begründen.

Engagement vieler Bürgerinnen und Bürger aus beiden Städten
2005 wurde der Initiativkreis zur Förderung einer freundschaftlichen Verbindung zwischen Bergisch Gladbach und Beit Jala gegründet. Da Bergisch Gladbach bereits über mehrere Städtepartnerschaften verfügt, sollte diese Verbindung mit Beit Jala vor allem durch den Initiativkreis mit Leben erfüllt und durch das Engagement möglichst vieler Bürgerinnen und Bürger finanziert werden. Dem Initiativkreis gelang es bis heute, die vielen schon bestehenden Kontakte zwischen den Menschen in Beit Jala und Bergisch Gladbach weiter zu vertiefen. So besuchte unter anderem auf Einladung der katholischen und der evangelischen Kirchengemeinden Bergisch Gladbach im Jahre 2006 der Bürgermeister von Beit Jala, Radji Zeidan, mit seiner Gattin Bergisch Gladbach, um bei Vorträgen und Diskussionen über die Situation in seiner Heimat zu informieren. 2009 fuhren wiederum Bergisch Gladbacher zur Friedenswoche nach Beit Jala. Verbindungen zwischen Schulen und Jugendgruppen wurden geknüpft, ein Theaterprojekt durchgeführt, und mehrere Informationsveranstaltungen angeboten.

"Bürger für Beit Jala - Brücken statt Mauern für Palästina und Israel"
Im April dieses Jahres besuchte Bürgermeister Lutz Urbach die Stadt als privater Teilnehmer an einer Reise des Arbeitskreises „Bürger für Beit Jala - Brücken statt Mauern für Palästina und Israel". Bei diesem Anlass bekundeten er und der Bürgermeister von Beit Jala, den jeweiligen Gremien ihrer Städte nun den Abschluss einer Vereinbarung zur Begründung einer Partnerschaft zwischen den beiden Städten vorzuschlagen. Nicht als außenpolitisches Signal, sondern um den offiziellen Rahmen für die Begegnung der Menschen in den beiden Städten zu schaffen. Prominente Fürsprecher - wie der Kölner Altbürgermeister Dr. Norbert Burger oder Dr. Jürgen Wilhelm als Vorsitzender der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-jüdische Zusammenarbeit - hatten vorher gegeüber dem Arbeitskreis zum Ausdruck gebracht, dass sie die Begründung einer Städtepartnerschaft zwischen Bergisch Gladbach und Beit Jala begrüßen würden. Ebenso positiv äußerte sich Staatsminister Dr. Hoyer vom Auswärtigen Amt in einer Stellungnahme, der „Gutes Gelingen" für die Städtepartnerschaft wünschte.

Förderverein in Gründung - Mitglieder willkommen
Die Stadt kann in der momentanen finanziellen Situation keinen finanziellen Beitrag zur Städtepartnerschaft leisten. Der Arbeitskreis „Bürger für Beit Jala - Brücken statt Mauern für Palästina und Israel" ist deshalb bereit, die Städtepartnerschaft zwischen Bergisch Gladbach und Beit Jala in der Praxis mit Leben zu füllen und die Pflege der partnerschaftlichen Beziehungen wahrzunehmen. Ein Verein ist zu diesem Zweck schon in Gründung; alle, die am Aufbau und an der Pflege der Partnerschaft mitarbeiten möchten, sind herzlich eingeladen beizutreten. Die Partnerschaftsurkunde ist bereits entworfen und abgestimmt - nach der Beschlussfassung der Räte ist der Weg frei für die Unterschrift der Stadtoberhäupter und die Inkraftsetzung der neunten Städtepartner- bzw. -freundschaft, die Bergisch Gladbach eingeht. Und eine weitere Verbindung steht möglicherweise noch aus: Bei der Beratung im Hauptausschuss hatten die Ratsfraktionen den Zuwachs begrüßt, darüber hinaus aber auch angeregt, ebenfalls mit einer israelischen Gemeinde zur Gründung einer Partnerschaft Kontakt aufzunehmen.

Kurzinformation über die Stadt Beit Jala
Beit Jala ist eine der ältesten Städte von Palästina und liegt etwa 2 Kilometer westlich von Bethlehem und 10 Kilometer südlich von Jerusalem in der Westbank. Die Stadt Beit Jala hat rund 12.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Etwa 70.000 in Beit Jala geborene Menschen oder deren Nachkommen leben zurzeit im Ausland, insbesondere in Mittel- und Südamerika. Wichtigster Erwerbszweig ist die Landwirtschaft, insbesondere der Anbau von Oliven, Aprikosen und Wein. Weitere Erwerbszweige sind: Bausteinproduktion, Steinmetzbetriebe, Textilherstellung, Möbelherstellung, pharmazeutischeProdukte, Zigarettenherstellung, Olivenholzschnitzereien, Tourismus (derzeit jedoch dezimiert). Der Ortskern von Beit Jala wurde vor einigen Jahren restauriert. Rund 3.000 Schülerinnen und Schüler aus Beit Jala und Umgebung besuchen vier öffentliche und vier private Schulen. Auch verfügt die Stadt über ein Krankenhaus und Rehabilitationseinrichtungen für behinderte Menschen. In Beit Jala gibt es zwei orthodoxe Kirchen, die Frauen- und Kinderarbeit betreiben, eine Römisch-katholische Kirche mit Internat und Priesterseminar, eine Evangelisch-lutherische Kirche mit Sozialstation und der „Abrahamsherberge" (Zentrum für Begegnungen von Juden, Christen und Muslime, Friedenserziehung) sowie zwei Moscheen. Etwa 65 Prozent der Bevölkerung sind christlichen Glaubens.



Text: Stadt Bergisch Gladbach
Foto(s): Stadt Bergisch Gladbach

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